Aschermittwoch – ein evangelischer Feiertag?

Seit einigen Jahren wird in der Christuskirche an Aschermittwoch ein gemeinsamer Gottesdienst für unsere Gemeinden gefeiert. In der Katholischen Kirche ist der Aschermittwoch ein wichtiger Feiertag und im Zentrum des Gottesdienstes steht seit Jahrhunderten die Bezeichnung mit dem Aschekreuz. In den evangelischen Aschermittwochs-Gottesdiensten wird dieser Brauch in den letzten Jahren neu entdeckt, in der Christuskirche haben wir ihn im letzten Jahr zum ersten Mal durchgeführt. Er ist aber auch im neuen evangelischen Gottesdienstbuch ausdrücklich vorgesehen.
Aber was passiert da eigentlich, wenn Menschen sich mit einem Aschekreuz bezeichnen lassen?
In der Bibel ist die Asche einerseits ein Symbol für die Vergänglichkeit des Lebens, bekannt ist die Formulierung, die daraus entstanden ist: „Erde zur Erde, Asche zu Asche, Staub zum Staube“. Darüber hinaus ist die Asche aber auch das Symbol für diejenigen, die vor Gott ihre Sünden bekennen. Sie gingen in Sack und Asche, so heißt es etwa über die Einwohner von Ninive, nachdem der Prophet Jona ihnen das Strafgericht Gottes angekündigt hatte.
Man könnte sagen: Die Asche ist das Gegenstück zu Glanz und Gloria. Indem wir uns mit dem Aschekreuz bezeichnen lassen, gestehen wir ein, dass wir nicht nur eine Schokoladenseite haben. Das Gute ist: Wenn man selbst bereit ist, diese unangenehme Wahrheit zu akzeptieren, wenn man also neben der Schokoladenseite auch die Aschenseite freiwillig und selbstbestimmt in den Blick nimmt, dann bekommt der Aschermittwoch etwas Souveränes, etwas Befreiendes. Wir lassen uns berühren, nicht nur von der Asche, sondern letztlich von Gottes Güte, die unser Leben heil macht.
Der Aschermittwoch ähnelt damit in seinem Charakter dem Buß- und Bettag, nur mit dem Unterschied, dass er die 40-tägige Passionszeit vor Ostern einläutet. Die Vorbereitung auf das Osterfest beginnt damit, dass wir in aller Freiheit und Ehrlichkeit zu unserer Aschenseite stehen und uns von Gottes Güte berühren lassen.
Grundsätzlich stelle ich fest: Alles, was im Gottesdienst für Bewegung sorgt, und alle Elemente, bei denen es etwas zu spüren, zu schmecken und zu sehen gibt (und nicht nur zu hören), das bleibt in besonderer Weise hängen und wirkt nach und sorgt ganz nebenbei dafür, dass auch das Hören wieder leichter fällt.
Ich freue mich auf den Gottesdienst an Aschermittwoch, den 26. Februar um 19 Uhr und lade Sie herzlich ein, dabei zu sein. Unser Kreiskantor Jörg Ehrenfeuchter wird wieder die Orgel spielen, so verspricht dieser Gottesdienst auch musikalisch ein besonderes Erlebnis zu werden.