Neue Pastorin in Herzberg

 

Vier Fragen an Katharina López Acuña, die Pastorin im Probedienst, die ab Mai ihren Dienst in Herzberg-Christus und den Kirchengemeinden in Lonau und Sieber beginnen wird.

Katharina López Acuña ist 30 Jahre alt und in Bückeburg in Schaumburg-Lippe aufgewachsen. Nach ihrem FSJ in Chile hat sie ihr Theologie-Studium in Wuppertal an der Kirchlichen Hochschule begonnen und später vier Jahre in Göttingen studiert. „In meiner Freizeit mache ich gerne Musik und habe lange Zeit immer wieder in Chören gesungen. Außerdem habe ich viel Spaß an kreativen Dingen, wie malen und basteln, werkeln oder Handarbeit, und am Tanzen“, sagt die 30-Jährige. 

Was bedeutet Ihnen Ihr Glaube?

Katharina López Acuña: Glaube heißt für mich Vertrauen in Gott und dass Gott es gut mit mir und meinem Leben meint. Ich hoffe auf und glaube an einen Gott, der in seinem innersten Wesenskern Liebe ist und ich glaube, dass wir das an Jesus erkennen können. Dieser Glaube ist einerseits auch immer eine Suche, denn ich muss Fragen und Zweifel aushalten, andererseits ist er aber auch Ankommen und zu Hause sein. Ich möchte Gott vertrauen und glauben, gerade angesichts der schwierigen Fragen im Leben und gerade, wenn der Glaube an Gott nicht logisch erscheint. Aber da bleibt für mich die Hoffnung und das Vertrauen darauf, dass wahr ist, was Jesus gesagt hat: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt.“ Mt 28,20 – Gott ist mit uns.
Das ist mir unfassbar wichtig, weil es mir Ruhe und die Gelassenheit gibt, dass mein Leben nicht allein in meiner Hand liegt, sondern dass ich im Leben und im Sterben, sogar nach dem Tod gut bei Gott aufgehoben bin, dass Gott mich annimmt, wie ich bin. Und dass ich immer diese Hoffnung habe, dass Gott gerecht ist und er das letzte Wort hat. Das macht etwas mit meinem Leben. Es befreit. Ich versuche seine Liebe, die Menschen verbindet und stark macht, weiterzugeben, seinen Segen zuzusprechen und mit anderen über diesen Glauben zu diskutieren, mich nicht nur um mich selbst zu drehen, sondern Jesus nachzufolgen.

Wann und wie entstand der Wunsch, Pastorin zu werden?

Katharina López Acuña: Vor allem in meiner Jugend hat sich bei mir das Interesse an Fragen zum Glauben geregt. In Schaumburg-Lippe war ich viel in der kirchlichen Jugendarbeit unterwegs und habe bei allen möglichen Dingen mitgemacht: in verschiedenen Jugendgruppen, z.B. in der Gemeinde, bei TenSing vom CVJM, ich war auf Freizeiten und in der Landesjugendkammer. Im Teamerkurs habe ich gelernt, Gruppen zu leiten, Andachten zu halten und mich auf diese Weise ehrenamtlich zu engagieren. Auch wenn ich schon vom Kindergottesdienst an in der Kirche unterwegs war und mir meine Familie viel Gutes für mein Glaubensleben mit auf den Weg gegeben hat, hat sich in dieser Zeit erst so richtig gezeigt, dass ich mehr über den Glauben, die Bibel und Theologie wissen wollte. Außerdem war und ist es mir ein Herzensanliegen, anderen Menschen etwas von diesem Glauben und der christlichen Gemeinschaft, die Menschen tragen und aufbauen kann, erfahrbar zu machen. Die Gemeindearbeit mit den verschiedensten Gruppen macht mir viel Freude: Mit anderen zusammen und mit Gott das Leben zu gestalten und füreinander da sein, da kann man genau das erleben. In meinem FSJ in Chile nach dem Abi habe ich mich dann noch einmal bewusst für diesen Weg entschieden.

Wie möchten Sie Gemeindeleben gestalten?

Katharina López Acuña: Die Gemeinde sollte meiner Meinung nach ein Ort sein, wo alle Menschen sich angenommen und wohl fühlen können. Hier ist der Ort, wo wir zusammen leben, feiern, glauben und uns unterstützen können. Hier ist Platz für Fragen zu Glauben und Leben, für Zweifel, für geteilte Trauer und Freude. Ich weiß, dass es eine Idealvorstellung ist, aber ich kann dieses Bild einer Gemeinschaft nicht loswerden, in der Menschen generations-, milieu- und grenzübergreifend zusammenkommen. Ich möchte Räume für diese Begegnungen eröffnen, mit Altbewährtem und Neuem, damit sich Beziehungen zwischen den Menschen und mit Gott ergeben und stärken können. Dabei ist mir besonders wichtig, dass Menschen gesehen, wertgeschätzt, bestärkt und einbezogen werden. In so einer Beteiligungskirche geht es für mich darum, dass die Mitglieder sich mit ihren Gaben einbringen und ihre eigenen Ideen verwirklichen. Ich glaube, dass es wichtig ist, mündiges Christsein zu leben. Dazu gehört es, den eigenen Glauben zu reflektieren, eine lebendige Beziehung zu Gott zu haben und Verantwortung in der Gesellschaft zu übernehmen. Dazu möchte ich meinen Teil beitragen. Es geht also nicht zuerst darum, wie ich das Gemeindeleben gestalten möchte, sondern wohin die Gemeinde möchte und welche Vision sie für die Gestaltung ihrer Zukunft hat.

Thema Zukunftsprozess: Wie kann „Kirche“ in Zukunft aussehen?

Katharina López Acuña: Ich glaube, dass die Zukunft der Kirche ganz besonders in der Hand der Gemeindemitglieder liegt. Natürlich muss sich die Kirche bestimmten Umstrukturierungsprozessen unterziehen, aber ihr Kern bleibt doch immer der gleiche: Das Evangelium von Jesus Christus. Ich meine, dass diese Botschaft vor allem dann verständlich wird, wenn Menschen sie persönlich kommunizieren und leben, Salz und Licht sind und von der Hoffnung der besten Botschaft der Welt zeugen. Es ist wichtig, dass Christ:innen Auskunft und Zeugnis geben können, dass sie mit dieser Botschaft leben und im Dialog sind. Kirche wird in Zukunft weniger pfarrzentriert sein und sollte das Priestertum aller Gläubigen stärken. Deswegen finde ich einerseits die elementare Erfahrung des Glaubenslebens (z.B. beten, singen, Bibel lesen etc.), andererseits auch Bildung (z.B. in Glaubenskursen, Weiterbildung für Ehrenamtliche) extrem wichtig. Dafür sollte es mehr Mittel, Förderung und Einsatz geben.
Als Kirche brauchen wir in Zukunft noch mehr Alltagsverbundenheit: Da sein, wo die Menschen sind, Themen, die sie bewegen verständlich mit dem Glauben ins Gespräch bringen und im Leben konstant begleiten, immer wieder offen einladen und auch einladend sein und nicht nur so tun. Das Wort „Traditionsaufbruch“ beschreibt ein Merkmal der Kirche der Zukunft ganz gut. Für mich bedeutet es, die Stärke unserer Vergangenheit und Traditionen zu nutzen, zu öffnen und für die Gegenwart und Neues fruchtbar zu machen. Ich glaube, dass viele Menschen einen Hunger und Durst nach spirituellem Leben haben, woran man sehr gut anknüpfen kann. Letzen Endes ist es doch auch mit oder trotz aller menschlicher Anstrengung so: Gott ist es, der mit seinem Geist seine weltweite Kirche baut und darauf vertraue ich. Die Zukunft ist hell und weit.

Die Ordination von Katharina López Acuña findet am Samstag, 7. Mai, um 15 Uhr in der Christuskirche in Herzberg statt. Die Kirchenvorstände der Christusgemeinde in Herzberg, der St. Benedictus Gemeinde in Sieber und der Michaelisgemeinde in Lonau freuen sich schon sehr auf ihre neue Pastorin und laden herzlich zu diesem Festgottesdienst ein. Die Leitung des Gottesdienstes liegt bei der Regionalbischöfin Dr. Adelheid Ruck-Schröder. „Mit einem Sektempfang begrüßen wir im Anschluss Frau Pastorin López Acuña  herzlich als neue Seelsorgerin in unseren drei Kirchengemeinden!“, so die Kirchenvorstände.
Wir bitten um Anmeldung unter https://herzbergerkirhen.church-events.de

Mareike Spillner – Öffentlichkeits-Beauftragte im Kirchenkreis Harzer Land